Fischer im Film

"Bayern ist tatsächlich so"/Drei Giganten der Sanftmut

Kultur | aus FALTER 47/98 vom 18.11.1998

Weil Ottfried Fischer aussieht, als würde er gerne und viel essen, neigen die Charaktere, die er spielt, mitunter zu einem gewissen Phäakentum. In seiner jüngsten Rolle ist Fischer einer jener "Drei Herren", die durch einen Zufall aus der geschlossenen Anstalt in die Weiten des Waldviertels entkommen. Sichel, so sein Name, ißt viel und spricht nichts. Auch die anderen beiden sind entsprechend seltsam: Der Exil-Tscheche Ivo (Karl Markovics) hat Frau und Kinder verloren und unterhält eine besondere Beziehung zu Tieren, weswegen er auch mit einem Goldfisch im Gurkenglas herumläuft, wohingegen sich der notorisch schlaflose Dölken (Karl Merkatz) als Traumforscher betätigt und von einer Frau (Erni Mangold) als der aus dem Krieg heimgekehrte Sohn "erkannt" wird.

Regisseur Nikolaus Leytner hat seinen jüngsten Film als poetische Komödie angelegt und um den Gegensatz "Normal versus Verrückt" konstruiert. Während die honorigen Dörfler aber nicht einmal davor zurückschrecken, die eigene Tochter als Dorfhure zu verschachern, erweisen sich die drei Herren als rechte Giganten der Sanftmut: Dölken willigt in seine Zwangsadoption ein, Ivo rettet einem Buben das Leben, während Sichel Kamilla (Regina Fritsch) mit jener Zärtlichkeit und jenem Respekt begegnet, die sie bei all ihren Freiern nie finden kann. Und so hält "Drei Herren" als Pointe die erstaunliche Einsicht bereit, daß die Verrückten die eigentlich Normalen sind - und vice versa. K.N.

Ab Freitag im Kino


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