Theorie als Passion

Nachruf Am 6. November verstarb der Bielefelder Soziologe Niklas Luhmann. Sein hinterlassenes Riesenwerk ist der weltweit einzigartige Versuch, eine umfassende Theorie der modernen Gesellschaft zu schreiben.

Kultur | Klaus Taschwer | aus FALTER 47/98 vom 18.11.1998

"Die Theorie erforderte ihre Zeit, und deshalb konnte man auch nicht sterben, ehe sie abgeschlossen war." Italo Svevo Mein Projekt lautete (...): Theorie der Gesellschaft; Laufzeit: 30 Jahre; Kosten: keine." Mit diesen Worten faßte Niklas Luhmann im Vorjahr rückblickend zusammen, was er sich im Jahr 1969 - am Beginn seiner akademischen Karriere - vorgenommen hatte. Und lakonisch ergänzte der Gesellschaftstheoretiker: "Die Schwierigkeiten des Projekts waren, was die Laufzeit angeht, realistisch eingeschätzt worden." Diese Sätze stehen im Vorwort zu Luhmanns Opus summum, einem knapp 1200seitigem Werk mit dem paradoxen Titel "Die Gesellschaft der Gesellschaft" - der krönende Abschluß eines in seinen Dimensionen einzigartigen soziologischen Werkes.

Dabei war sein unermüdlicher Autor erst relativ spät und nach einigen Umwegen zur Wissenschaft gestoßen. Der 1927 geborene Sohn eines Brauereibesitzers aus Lüneburg studiert zunächst Jus - was sein Denken und seine Arbeitspraxis nachhaltig


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