Stadtrand: Frühzünder

Stadtleben | aus FALTER 47/98 vom 18.11.1998

Er ist eindeutig zu früh gekommen. Letzten Mittwoch wurde in der Stadt der erste Weihnachtsmann gesichtet. Und von Passanten entsprechend angepöbelt. Dabei ist es gar nicht Santas Schuld, daß er sich im Datum geirrt hat. Schließlich wurde schon vor Wochen die X-Mas-Maschinerie in Gang gesetzt. In den Supermärkten stapeln sich Lebkuchen, Dominosteine und Schoko-Nikolos. Öffentliche Plätze sind wegen Weihnachtsmarkthütten nahezu unzugänglich, Schaufenster suggerieren Schenkzwang, und über den Einkaufsstraßen hängt bedrohlich Weihnachtsbeleuchtung.

Als am Samstag der Hauptchristbaum vor dem Rathaus feierlich illuminiert wurde, war das quasi der offizielle Startschuß für die fünfte Jahreszeit. So rechte Stimmung wollte allerdings keine aufkommen. Vielleicht, weil an den Bäumen im Rathauspark noch das Herbstlaub zwischen dem Weihnachtsschmuck hängt. Oder weil Punsch und so im November einfach nicht schmecken. Vielleicht war keinem weihnachtlich ums Herz, weil (noch) kein "Kinderlein kommet" dudelte.

Ohne jetzt gleich zu fordern, Elektrokerzen an Christbäumen erst am 24. Dezember "anzuzünden", ein Vorschlag zur Güte: Der erste Advent wäre doch ein Supertermin für den ganzen Weihnachtszauber. Mitte November ist nämlich eindeutig zu früh. Aber da kann Santa ja nichts dafür. C.W.


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