Durchs Wiener Kurdistan

Reportage Die Ankunft des PKK-Führers Abdullah Öcalan in Rom hat in diesen Tagen rund 20.000 Wiener Kurden mobilisiert. Ein Streifzug durch die straff organisierte Kurdengemeinde.

Politik | Florian Klenk und Nina Weissensteiner | aus FALTER 48/98 vom 25.11.1998

Die gemütliche Mariahilfer Straße brach vergangene Woche zusammen. Fluchende Taxifahrer, festklemmende Autobusse, verärgerte Passanten. Aus den Auslagen der Geschäfte blickten verschreckte Gesichter: Das war kein gewöhnlicher Demonstrationszug einiger Vermummter, der mit Lautsprechern, Fahnen und geballten Fäusten "Hoch die Internationale!" und "Abdullah Öcalan" skandierte. Es waren Gastarbeiter, Mütter mit Kinderwägen, Väter mit ihren Töchtern am Arm. Manche trugen überlebensgroße Schwarzweißbilder mit schnurrbärtigen Männern. 3000 verärgerte Kurden zogen die Mariahilfer Straße hinunter zum Parlament, wo soeben ihr größter Feind, der türkische Staatspräsident Süleyman Demirel, empfangen wurde.

"Jetzt fangen s' bei uns a scho an", beschwert sich eine alte Dame mit langer Feder am Hut bei einem Polizisten, "so was g'hört verboten, die soll'n z' Haus bleiben!"

Doch "z' Haus", in der Türkei, wären die Demonstranten längst verhaftet worden. Also gingen sie in Wien


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