Kostenlose Hilfe

"Macht ihn lahm!"/Anti-Rassismus-Hotline

Politik | aus FALTER 48/98 vom 25.11.1998

Dr. C. ist eines von zweitausend mutmaßlichen Opfern rassistischer Diskriminierung, die von den Mitarbeitern der Anti-Rassismus-Hotline von Helping Hands kostenlos rechtlich betreut werden. Seit über einem Jahr dokumentieren die Mitarbeiter des kleinen Büros in der Wiener Liechtensteinstraße rassistisch motivierte Übergriffe durch Behörden. "Wir hatten im letzten Jahr über 2000 Anrufe", sagt Hotline-Mitarbeiter und Jurist Dieter Schindlauer. Die Bandbreite reicht von ausländerfeindlichen Vermietern über rigorose Drogenrazzien für schwarze U-Bahn-Fahrer (bis vor kurzem gab es bei der Wiener Polizei sogar eine eigene "Sonderkommission Jambo") bis hin zu ausländerfeindlichen Äußerungen einzelner Beamter. Das von der ÖH, diversen Ministerien und der EU geförderte Projekt ist in Österreich bisher einzigartig: Die Hotline hilft den Opfern nicht nur mit kostenlosem rechtlichem Rat, die Mitarbeiter begleiten ihre Mandanten fallweise auch zu Terminen bei der Polizei und vor Gericht. Jeder einzelne Fall wird penibel dokumentiert. Die schwerwiegenden Fälle werden in einem "Anti-Rassismus-Bericht" jährlich veröffentlicht. Der nächste Report, prophezeit Schindlauer, wird für die Wiener Polizei nicht angenehm: "In letzter Zeit steigt die Polizeigewalt gegenüber Ausländern wieder dramatisch an. Ich weiß nicht, was da los ist." Chancen haben die Opfer in der Regel nicht: Zeigt ein Opfer die Polizei an, hat er eine Anzeige wegen Verleumdung und Widerstand gegen die Staatsgewalt zu erwarten. Alle 360 Verfahren, die vergangenes Jahr gegen die Polizei eingeleitet wurden, sind ohne Konsequenzen für die Beamten eingestellt worden. Die Hotline ist montags bis freitags von 9-14 Uhr unter der Wiener Nummer 17 600 17 erreichbar.


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