Veitschi muß leben

Gericht Auf der Wieden erregt eine Schlingpflanze auf einer Feuermauer die Gemüter: Der Eigentümer der Mauer klagt, weil die Besitzer des Veitschi die Pflanze nicht am Wachsen hindern.

Politik | Thomas Rottenberg | aus FALTER 48/98 vom 25.11.1998

Eine Feuermauer ist fad. Sie ist etwa so aufregend wie ein Hydrant. Das meinen auch Marianne und Christian Scheib: Eine Feuermauer ist eine Feuermauer ist eine Feuermauer. So wie die im Hof ihres Hauses auf der Wieden. Zum Glück ist eine Mauer nie glatt - Kletterpflanzen können klettern. Im Falle des Scheib-Hauses in der Danhausergasse tut das ein Veitschi. Das freut die Scheibs und ihre Nachbarn. Nicht im Traum hätten sie gedacht, wegen der Pflanze vor Gericht zu stehen. "Deswegen zu klagen ist doch völlig absurd."

Das meint auch Benedikt Wallner. Er ist Anwalt. Als solcher wird er am 2. Dezember vor Gericht erklären, daß Veitschi botanisch zwar Strauch, juristisch aber Baum ist. Sonst müssen die Scheibs 80.000 Schilling zahlen. Weil ihr Veitschi tut, was er tut: Mauern bewachsen. Dummerweise am Nachbarhaus. Das gehört dem Pensionisten Wilhelm Tuschl. Der bemerkte jahrelang nichts vom besitzstörend wuchernden Kraut. Bis zum Juli 1997. Da forderte er die Danhausergässler auf, die


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