Bedient: Herr Bimbo

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 48/98 vom 25.11.1998

Bimbo ist ein einfaches Wort. Richter haben es gern einfach. Mitte Oktober sitzen mehrere Drogenhändler, die beschuldigt werden, einen Afrikaner überfallen zu haben, vor Gericht. Das Diebesgut: Kokain. So weit, so schlecht. "Wir wollten zwei B..., zwei Afrikanern Kokain wegnehmen", sagt ein Beschuldigter. "Sagen S' ruhig Bimbo!" sagt die Richterin. "Sagen wir Bimbo, dann tun wir uns leichter", freuen sich die Verteidiger. "Ein Bimbo soll die Gosch'n aufg'rissen haben", liest die Richterin aus dem Akt vor. Die neue gerichtliche Sprechweise, eingeführt am 15. Oktober, hat nicht nur den Standard, sondern selbst die Kronen Zeitung verärgert. In einem Brief an den Gerichtspräsidenten des Landesgerichts für Strafsachen hat sich "Helping Hands" über die neue Sprechweise beschwert. Gerichtspräsident Woratsch, ein Mann klarer Worte, hat den Vorfall untersucht: "Die Erhebungen", schreibt der Präsident, "haben zweifelsfrei ergeben", daß einige Male das Wort Bimbo gefallen ist. Hmm. Was nun? Richter haben doch immer Recht. Woratsch auch: "Allerdings ist festzuhalten, daß es sich dabei (...) ausschließlich um Zitate aus dem Akt handelt." Eben. Diese müßten vor Gericht vorgelesen werden. "Es ist unbestreitbar, daß derartige Verlesungen abstoßend und verletzend wirken können." Doch Akt ist Akt. Was in ihm steht muß eben verlesen werden. Außerdem "ist es ein Faktum, daß die Redewendung ,einen Bimbo machen' im Drogenmilieu für die Ausführung eines Raubes an einem drogendealenden Schwarzafrikaner verankert ist." Dem Richtermilieu ist eben nicht zu helfen. Es muß "Bimbo" sagen.


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