Das Glück ist elektrisch

Film Der in Cannes mit einem Spezialpreis der Jury ausgezeichnete Film "Velvet Goldmine" von Todd Haynes entdeckt "Glamrock" neu nicht als historisches Faktum, sondern als ein mythologisches Reich der Möglichkeiten.

Kultur | Alexander Horwath | aus FALTER 48/98 vom 25.11.1998

Das Wort "Geschichte", so wie's die Alten sungen: glaubwürdige Datenfolgen und Stammbäume, große Helden und Schlachten, geschlossene Zeiten und Räume. In "Velvet Goldmine" steht dieses Wort gleich am Anfang, traumverloren, skeptisch und in der Mehrzahl: "Histories are the fictions of empires." Und man spürt: Hier wird es um die Gegen-Geschichte eines flammenden Gegen-Imperiums gehen. Und um die Fähigkeit des Kinos wie der Popmusik, Geschichte anders zu erzählen, als es die imperialen Fiktionen im Schulunterricht tun - unmittelbarer, komplexer und viel gelenkiger.

Zum Beispiel so: Dublin im Jahre 1854; aus dem Weltall segelt ein Raumschiff herab und legt dem Ehepaar Wilde ein Sternenkind mit Namen Oscar vor die Türe. Im nächsten Bild sagt der freche Schüler Wilde auf die Frage, was er einmal werden wolle (Arzt, Richter, Geschichtsschreiber?): "I want to be a pop idol!" Bevor Regisseur Todd Haynes diese Vision umgehend in die Sprache der frühen siebziger Jahre transkribiert, klärt


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