Apokalypserl Now

Literatur Thomas Bernhard meets Woody Allen: Michael Scharangs neuer Roman "Das Jüngste Gericht des Michelangelo Spatz" führt den Leser in ein New York der bizarren Zufälle und halbtouristischen Wahrnehmungen.

Kultur | Horst Ebner | aus FALTER 48/98 vom 25.11.1998

Einer wohl etwas banalen Erkenntnis der neunziger Jahre zufolge findet das wahre Leben in der Hochmoderne mit seiner obsessiven Suche nach unmittelbarer Gegenwärtigkeit nur einen wahren Ort - New York. In einer der letzten Sonntagsbeilagen einer besonders urbanen österreichischen Tageszeitung wurden denn gleich wertvolle Tips geliefert, wie man sich in dieser Inkarnation von Stadt billig auf Dauer einquartieren kann. Und so mag es nicht überraschen, daß gerade auch die zeitgenössische europäische Literatur ihre Faszination von der "Hauptstadt des 20. Jahrhunderts" wieder verstärkt zum Ausdruck bringt.

Der fünfzigjährige Ich-Erzähler in Michael Scharangs neuem Roman ist schon kurz nach seiner Ankunft von diesem fremden Ort so überwältigt, daß er beschließt, seinen nur für wenige Tage geplanten Aufenthalt, währenddem er den Hund seiner Freundin Maria versorgen soll, auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Er läßt sich von seiner Arbeitsstelle im Wiener Völkerkundemuseum karenzieren,


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