Aufgeblättert

Kultur | Erwin Quirchmair | aus FALTER 48/98 vom 25.11.1998

Du sollst kein Zeugnis falsch ablegen. Schon gar nicht das deiner Matura. Ignoranten seien auf "Ipso Facto" verwiesen. Das Romandebüt von Jegor Gran. Dort geht der Held eben jenes Dokumentes verlustig. Und wird deshalb nicht nur nicht befördert, sondern landet buchstäblich in der Gosse: geschieden, verstoßen, geächtet. Eine wohlgeordnete Existenz, im Handumdrehen zerfasert von den Mahlsteinen der Bürokratie, macht einem Abgrund voll sexueller Verwilderung (incl. Inzest und Rudelbums) Platz.

Die bekannt freizügige französische Presse lobte den Roman als ein "vergnügliches Kabinettstück des schwarzen Humors" (Nouvel Observateur). Dem ist hier zu widersprechen. Allzu konstruierte Handlung und sprachliche Halblustigkeiten ergeben noch kein gutes Buch. Da machen auch Cunnilingus und Fellatio das Kraut nicht mehr fett. Drum gibt's für den Inhalt bloß ein Befriedigend. Für die äußere Form der Arbeit (Umschlaggestaltung) allerdings ein dickes Sehr Gut.

Ganz anders bei "Maxim und Fjodor",


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