Spielplan

Kultur | Tanja Paar | aus FALTER 48/98 vom 25.11.1998

Hier bin ich." Diesen Satz spricht eine 16jährige, die der Welt beweisen will, daß sie etwas Besonderes ist. Gerade so, wie Teenager eben träumen. Diesen Satz spricht eine gewisse Eva Braun in der Produktion von "Einmaliges Gastspiel" im dietheater Künstlerhaus. Das Stück von Ulrich Hub erzählt die Geschichte des "Fräulein Braun", die Geschichte einer Begeisterung bis zur Neige, das heißt bis zum gemeinsamen Selbstmord mit Adolf Hitler. Es ist der Qualität des Textes zu danken, daß hier die Entwicklung einer Frau präzise nachvollziehbar gemacht wird. Gerade weil er das Alltägliche fokussiert, wird das ständig Ausgeblendete, die Realität des Nationalsozialismus, beunruhigend spürbar. Ja, es riecht nach verbrannten Haaren. Aber bloß, weil die Geliebte des Führers sich zweimal täglich die Locken ondulieren läßt. Es ist der Qualität der Inszenierung zu verdanken, daß alle Klippen der Peinlichkeit umschifft werden. Das Objekt der Begierde, Hitler selbst, hat keinen Auftritt und spiegelt sich doch deutlich in den Handlungen der Geliebten. Wie Sabine Friesz diese Aufgabe im Alleingang über mehr als zwei Stunden meistert, ist sehenswert.

Das fiktive Schicksal einer jener Frauen, die sich sehnlichst an Eva Brauns Stelle gewünscht haben, erzählt "Liebe Macht Blind" von Margit Mezgolich und der Gruppe L.U.S. Theater im dietheater Konzerthaus. Auf der Basis von historischen Dokumenten, gesammelt in dem Buch "Liebesbriefe an Adolf Hitler. Briefe in den Tod" (Hg. Helmut Ulshöfer), hat die Autorin ein Psychogramm der Rosa W. erstellt. Die junge Kriegswitwe (Barbara Horvath) verspinnt sich in eine Scheinwelt, in der sie mit ihrem ganz persönlichen Führer, einer lebensgroßen Puppe, haust. Bis zur Pause geht das Konzept auf. Doch dann zeigt sich die Regisseurin erschreckend blind für ihren eigenen Text: Wie die Gewalt in Rosas Puppenheim einbricht, ist haarsträubend schlecht erzählt, formal unbefriedigend, ja geradezu ärgerlich.


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