Nüchtern betrachtet: Kalter Friede zwischen Sushi und mir

Kultur | aus FALTER 48/98 vom 25.11.1998

Es ist nicht so, daß ich völlig unkultiviert wäre. So ist es mir zum Beispiel möglich, zwei verschiedene Weinsorten, sagen wir: rot und weiß, mit bloßem Auge und ohne Zuhilfenahme anderer mir zur Verfügung stehender Sinne (Tasten und Taumeln) zu unterscheiden. Durch bloßes Schauen! Gut, das mag für "Wetten, daß" nicht ganz reichen und mir unter Menschen, die Formulierungen wie "prächtiges Rubinrot", "tanninlastig" oder "erinnert am Gaumenzäpfchen ein wenig an verschimmelte Johannisbeeren" zum Alltagsvokabular zählen, keine besonders hohe Reputation eintragen, aber zur Not kommt man durch. Ich meide Gesellschaften, die in Trivial Pursuit für Sommeliers einen prima Partyspaß erblicken, und erkläre bei Presseessen präventiv, daß ich Biertrinker bin. Auf diese Weise wird man unter sozusagen ethnologischen Gesichtspunkten betrachtet, und etwaige heftige Rülps- und Furzgeräusche werden mit einer gewissen aufgekratzten Neugierde aufgenommen: Wer weiß, was das bei denen bedeutet


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige