Stadtrand: Morgendusl

Stadtleben | aus FALTER 48/98 vom 25.11.1998

U4, sechs Uhr früh. Die Stimme aus dem Lautsprecher - "Pilgramgasse" - dringt in die dritte REM-Phase und wird sofort in den Traum eingebaut. Gemächlich kreuzt ein Bus der Linie 13A einen Schwarm tropischer Meeresfische.

Erwachen auf dem Bahnsteig Kettenbrückengasse, einen Erlagschein über 550 Schilling in der Hand. Der einzige Tag im Jahr, an dem der Morgendusl auf die Jahreskarte vergessen ließ. Just an diesem Morgen ... Hämisches Grinsen der nicht ertappten Schwarzfahrer für den ertappten Jahreskartenbesitzer.

Dennoch. Es gibt sie ja, die Jahreskarte. Jeden Monatsersten wandern 470 Schilling auf das Konto der Verkehrsbetriebe. Zehnmal im Jahr, macht 4700 Schilling. Die Gerechtigkeit ist auf der Seite des Aufrechten. Ein Anruf bei den Verkehrsbetrieben sollte genügen, um das Versehen zu bereinigen. Name, Jahreskartennummer. Schuld getilgt. Fast: 50 Schilling Bearbeitungsgebühr sind zu entrichten. Für einmal amtliches Erlagscheinzerreißen. Für einmal im Jahr Jahreskarte vergessen. Und da komme niemand mit dem leidigen Argument, für einen vergessenen Führerschein müsse man schließlich auch zahlen. Aber der ist schon seit Jahren auf dem Hintern eintätowiert. P.V.


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