Vom Gewissen bedrängt

Kommentar Im Windschatten von Martin Walsers Friedenspreis-Reden macht sich die neue "linke Mitte" daran, einen Traum der Rechten zu realisieren.

Vorwort | Isolde Charim | aus FALTER 49/98 vom 02.12.1998

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entwickelt sich immer mehr zum Preis für den deutschen Unfrieden. Martin Walsers "Sonntagsrede" hat es geschafft, ein Thema, zu dem schon alles gesagt schien, zum Gegenstand einer Debatte von anhaltender Intensität zu machen. Als ob das deutsche Feuilleton nur auf dieses Stichwort gewartet hätte, erscheinen seit Wochen ausführliche Überlegungen zu Walsers Diktum, Auschwitz sei zur Drohroutine und Moralkeule, das Gedenken zur Pflichtübung und zum Lippengebet geworden.

Die Frage nach dem richtigen Gedenken wird zur Grundsatzdebatte der "Berliner Republik" und der neuen deutschen Identität. Das liegt am einzigartigen Stellenwert, den das kollektive Erinnern in der BRD hatte: Gedenken war nicht nur perspektivischer Rückblick, sondern brachte auch den Bundesrepublikaner hervor. Anders als die österreichische definierte sich die deutsche Identität der Nachkriegszeit wesentlich durch eine gemeinsame Abkunft aus dem Nationalsozialismus, "unserer


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