Standpunkt: Behindernd

Politik | aus FALTER 49/98 vom 02.12.1998

Sie legitimieren das kollektive Wegschauen: jene 100 Gesetzespassagen, die Behinderte hierzulande immer noch aus dem šffentlichen Leben drŠngen. So dŸrfen Blinde etwa weder Richter noch Trauzeugen werden, Rollstuhlfahrern wiederum wird der Zugang zum Lehrberuf verwehrt. Eine Kommission von Beamten, Politikern und Behindertenvertretern hat nun diese behindernden Behindertengesetze aufgelistet, damit dem vor eineinhalb Jahren eingefŸhrten Diskriminierungsverbot Rechnung getragen werden kann. Bleibt nur zu hoffen, da§ Lehrer in RollstŸhlen nach der juristischen Reinwaschung auch endlich zu einem Umdenken in den Klassenzimmern fŸhren werden. Denn obwohl fŸnf behinderte Kinder seit vergangenem Jahr per lege genŸgen, um eine Integrationsklasse einzurichten, strŠuben sich nicht wenige Lehrer- und Elternvertreter immer noch - erfolgreich - dagegen, da§ ihre Kinder mit Behinderten die Schulbank drŸcken. Und obwohl Behindertenvertreter Unterrichtsministerin Gehrer seit Jahren beknien, auch Behinderte mehr als neun Jahre in die Schule gehen zu lassen, reagiert die VP-Politikerin nicht. Die behindernden Paragraphen gehšren weg, kein Zweifel: Doch solange viele auf weniger Schšne, G'schickte und G'scheite so blind, terrisch und deppert reagieren, steht noch ein langer Weg bevor. N.W.


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