Bedient: Das Vorsorgeteam

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 49/98 vom 02.12.1998

Die Wiener Städtische Versicherung ist sehr seriös. Wird einer ihrer Kunden alt, bietet sie ihm ein todsicheres Geschäft: Frau Hella erhielt einen Tag nach ihrem 78. Geburtstag einen Brief. Auf dem fliederfarbenen Briefkopf stand: "Für das Auf und Ab des täglichen Lebens." "Sehr geehrte Frau!" schreibt die Versicherung: "Bei einem Todesfall entstehen ernste Verpflichtungen und Belastungen. Dazu zählen eine angemessene Bestattung sowie die Aufwendung von Bestattungskosten." Was liegt also näher, als eine "Bestattungsvorsorge" abzuschließen, deren Abwicklung die "Wiener Bestattungs- und Versicherungsservice GesmbH" vornimmt. Mit einer Zahlung von nur "47.519 Schilling wäre im Todesfall eine Prämie von 50.000 Schilling fällig". Erlagschein beiliegend. Das Vorsorgeteam bietet "eine Beitrittsmöglichkeit bis ins hohe Alter ohne ärztliche Untersuchung". Schließlich bekommt man dafür "lebenslangen Versicherungsschutz". Auch eine "bargeldlose Durchführung einer Erd- oder Feuerbestattung nach persönlichen Wünschen im Rahmen der Versicherungssumme" stehe im Programm. Am besten gleich vorbeischauen und den Sarg auswählen (solange sein Preis im Rahmen der Versicherungssumme ist).

Nachdem Frau Hella "eine Stunde geheult" und das Angebot durchgerechnet hat, ist sie draufgekommen, daß das Geld auf jedem Sumsi-Kindersparbuch besser angelegt ist. Dafür profitiert sie aber "im Wege der Gewinnbeteiligung". "Sollten Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Vorsorgebetreuer Tel. 211 29-2954. Mit freundlichen Grüßen."

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536!60-12, E-Mail: klenk@vienna.at


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