Presseschau

Medien | Andreas Dusl | aus FALTER 49/98 vom 02.12.1998

Magazine unterscheiden sich - rein äußerlich - von Tageszeitungen neben dem handlicheren Format durch ein hochglänzendes Farbcover. Gute Cover überzeugen außer durch Glanz und Farbe auch durch eine raffiniert ausgeheckte Kombination aus Bild- und Textaussage. Wenn also Caspar Einem zum Titel "Der Buhmann" verschmitzt vom profil-Cover grinst, signalisiert das: "Der Mann ist ein Schlitzohr und mit allen Wassern gewaschen, aber weil uns das eigentlich gefällt, schreiben wir Buhmann statt Casparl, dann kriegen wir vom Eigentümer keine aufs Dach." Wenn zeitgleich der Führer, aus 1800 Adolf-Porträts zusammengesetzt, das Format-Cover "Die Akte Hitler" dämonisch beschattet, verdichtet sich die Botschaft: "Der Typ war zu böse, den können wir nur vielschichtig auf den Titel knallen. Außerdem krallen wir uns mit der superen Collage jeden Illustrations-Oskar." Subtile Botschaften gehen inzwischen aber auch von Tageszeitungen aus. Über dem sonntäglich freundlichen Konterfei des Kardinal Schönborn prangte die kirchenfreundliche Kurier-Schlagzeile: "Die Erfolgsgeheimnisse des weißen Wunderteams."


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