Fernsehen

Medien | Sigrid Neudecker | aus FALTER 49/98 vom 02.12.1998

Eigentlich ist es ja langweilig, anderen Menschen beim Reden zuzuschauen. Außer diese tun es bei "Spiegel-TV Interview" (Vox, Fr 22.10 Uhr). Menschen, von denen man oft genug noch nie etwas gehört hat, die einen in Wirklichkeit nicht interessieren, die aber, und da kann man der Redaktion vertrauen, etwas zu sagen haben. Und sei es "nur", was Marianne von Brandstetter von ihren vier Ehemännern geblieben ist (ein Adelstitel, viel Geld). "Spiegel-TV Interview" pflegt das sanfte Gespräch mit der brutalen Hartnäckigkeit. Die Interviewten werden (tagelang, wie's scheint) bei alltäglichen Wegen begleitet und immer wieder gefragt, gefragt, gefragt. Wieviel sie für einen Pelz ausgeben würde, wurde die Frau Baronin gefragt ("Na, schon so ... pff"). Was sie gerade für diesen Ring ausgegeben hat ("60.000 Mark, er paßt eben am besten zu dem Kleid"), was sie in ihrem Gesicht schon dem Chirurgen anvertraut hat ("Ach, das machen heute ja auch schon Kosmetikerinnen") und was Geld in ihrem Leben bedeutet. Und nur so bekommt man Antworten wie: "Natürlich kann man auch in einem VW weinen, wenn es vorbei ist. Aber in einem Rolls-Royce weint es sich einfach angenehmer."


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige