Jerusalem liegt am Dnjestr

Literatur Alexander Askoldow und Ljudmila Ulitzkaja erzählen vom Leben und Sterben russischer Juden.

Kultur | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 49/98 vom 02.12.1998

Solange wir in Moskau auf jiddisch spielen, wird es in Rußland keine Pogrome geben", sagt der Schauspieler Salomon scherzhaft zu seinen Kollegen. Es sind die zwanziger, dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts; das Jüdische Theater Moskaus, nach der Oktoberrevolution gegründet, die endlich die rechtliche Gleichstellung der Juden brachte, steht am Zenit seines Erfolgs. Als Salomon diesen Satz gegen Ende des Buches wiederholt, laufen ihm die Tränen über die Wangen.

"Heimkehr nach Jerusalem" heißt die "Filmerzählung" des russisch-jüdischen Theater- und Filmregisseurs Alexander Askoldow (Jahrgang 1937), der mit seinem 1967 fertiggestellten, aber sofort verboteten Film "Die Kommissarin" mit Beginn der Perestroika im Westen schlagartig berühmt wurde. Auch der Film über eine Politkommissarin, die während des Bürgerkriegs bei einer jüdischen Familie ein Kind zur Welt bringt, behandelte das heikle, während der Sowjetherrschaft tabuisierte und bis heute kaum aufgearbeitete Thema des Antisemitismus


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