Nüchtern betrachtet: Ein jegliches hat seine Zeit (5:47)

Kultur | aus FALTER 49/98 vom 02.12.1998

Der Video-Timer zeigt 5:47, als das Spargeschenk zu piepsen beginnt und meinem Traum von den Marketenderinnen mit den irdenen Schmalztöpfchen ein jähes und vorzeitiges Ende bereitet. "Ein jegliches hat seine Zeit", schreibt der Prophet Jobst, "die Arbeit aber scheue die finst're Frühe." Goldene Worte. Die Frau an meiner Seite wälzt. "Jedes Ding hat zwei Seiten. Das Brathuhn aber steck auf drehende Spieße." So Jobst. 5:56 - die Quarzuhr fiept. Wenig später schickt der Thermostat ein Glucksen durch die Heizungsrohre: 6:00. Die nächsten 48 Minuten wird die Weckerstellerin mit Wälzen verbringen. Sie hat jetzt mehr Platz, denn ich verlasse das dampfende Bettzeug. Ein jegliches hat seine Zeit. "Wohne nicht unzüchtig der Schwester bei, wenn der Mond noch wächst und das Fell des Schafes feucht ist", sagt Jobst, und ich setzte Teewasser auf. Es ist entschieden zu früh für ein Bierchen, das findet auch der Prophet ("vom Gerstensafte nehme erst, nachdem du das Ei gesotten und die Mühen


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