Stadtrand: Überfüllung? Nie!

Stadtleben | aus FALTER 49/98 vom 02.12.1998

Das folgende Telefonat wurde natürlich nie geführt: Wie viele Leute waren gestern bei Ihnen? So viele? Toll. Und in echt? Wirklich? Gratuliere. Da werden die anderen aber Augen machen, wenn sie das lesen. Wieso? Was heißt "Nicht schreiben?" Ist doch eine tolle Sache, so ein Erfolg. Weil die Halle nur für halb so viele Leute genehmigt ist? Ach so, das ist egal? Weil die Leute sich gegenseitig dertreten? Weil aus den Garderoben Mäntel verschwinden? Weil die Klos knöcheltief unter Wasser stehen? Auch egal? Aber wieso dann? Die Steuer? Stimmt, für die sind natürlich nur exakt so viele Leute da, wie in die Halle dürfen. Und die PR-Geschichten, mit denen Sie Sponsoren keilen? Ach so, die Publikumsfluktuation. Die Leute bleiben heutzutage ja wirklich nicht mehr den ganzen Abend. Kommen und gehen ständig. Zweieinhalbmal pro Abend tauscht sich das Publikum aus, sagen Sie? Ah ja, Studien. Und wenn aber? Wie "wie"? Na ja, wenn doch alle, die Karten gekauft haben, gleichzeitig da sind? Gibt es nicht? Gibt es doch: bei Paul Weller zum Beispiel. Nicht Ihr Event, meinen Sie? Aber die Leute haben doch bezahlt. Ach so: Ihnen passiert so was nicht. Und wenn doch? Pech? Für Sie? Ach so, fürs Publikum. Nein, das schreibe ich nicht. Meine Freikarten, ich weiß. T.R.


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