Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 50/98 vom 09.12.1998

... berichteten wir über Massenentlassungen bei Eumig, 1040 Arbeiterinnen verloren ihren Job.

Ein österreichisches Paradeunternehmen, Eumig, hat nun ein neues Produkt auf den Markt gebracht: die Wegwerfangestellte(n). Darunter versteht man ganz allgemein Personen, die ihrem Chef nicht mehr genug Gewinn erwirtschaften helfen, sei es, daß sie alt geworden sind, nicht mehr schneller arbeiten können oder wollen.

Warum geht das Hinausschmeißen bei Eumig so einfach? Circa 90 Prozent der Beschäftigten sind angelernt, vor allem Frauen, die in den verschiedensten Werken Projektoren, Kameras etc. auf dem Fließband produzieren. Für diese Luxusgüter gibt es zu Weihnachten und vor dem Urlaub Verkaufsspitzen. Ergo wird vorher in Überstunden und unter erhöhtem Streß versucht, mit vielen Leuten möglichst viel zu produzieren, um dann die Arbeitsplätze wieder abzubauen. So wurden im letzten Sommer 650 Mitarbeiter aufgenommen, nun 1040 gekündigt, und im Frühjahr sollten dann ca. 300 der Entlassenen wieder aufgenommen werden. (Wobei sich die versprochene Prämie zwischen Arbeitslosenunterstützung und entgangenem Lohn als leerer Köder entpuppt.)

Ja könnte sich da niemand wehren? Es könnte, doch darüber haben sich ÖGB-Spitze und Industrielle schon geeinigt. Die Gewerkschaftsbürokratie frißt, kaut und verdaut das alles. An gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen denkt niemand. Damit der sozialpartnerschaftliche Friede gewahrt bleibt, werden sogar Gesetzesübertretungen in Kauf genommen: Einarbeiten von freien Tagen an Samstagen ist für Jugendliche, Schwangere oder stillende Mütter verboten - so steht's im Arbeitsgesetz. Als Direktor Vockenhuber die Jugendlichen trotzdem arbeiten ließ, wurde er angezeigt und mußte Strafe zahlen. Daraufhin erklärte der Chef machtstrotzend, daß er keine Jugendlichen mehr beschäftigen werde.


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