Standpunkt: Achtung, Kontrolle

Politik | aus FALTER 50/98 vom 09.12.1998

Manchmal hinken sogar FPÖ-Forderungen der Realität hinterher. Und das will einiges heißen. So forderten die blauen Scharfmacher kürzlich "verpflichtende Drogentests" für Kindergarten- und Schulpersonal - und wußten gar nicht, daß das ohnehin längst praktiziert wird: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, dachte man sich im Unterrichtsministerium - und führte bei den routinemäßigen Gesundheitschecks an Lehramtsstudenten Drogentests durch. Ohne den Getesteten etwas davon zu sagen. Es sei, rechtfertigt man sich im Ministerium, ja ohnehin alles anonym und bloß im Rahmen einer Feldstudie gelaufen. Daß derartige Tests einen massiven Eingriff in die Rechte des Individuums darstellen, scheint bei denen, die für die Ausbildung von Lehrern verantwortlich sind, keine Rolle zu spielen. Wie und ob sich dieses Verständnis von Obrigkeitsstaat und Bürgerrechten bis in die Ausbildung derer fortsetzt, die zuerst bespitzelt werden und dann Kinder zu mündigen Staatsbürgern erziehen sollen, wäre eine separate Diskussion wert. Primär stellt sich aber die Frage nach Verantwortung und Konsequenzen: Unterrichtsministerin Gehrer will von den seltsamen Vorgängen nichts gewußt haben und veranlaßte das Ende der Drogentests. Wieso sie keine Ahnung von Geschehnissen im eigenen Haus hat, ist wieder eine andere Frage. T.R.


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