Bedient: Born to ride

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 50/98 vom 09.12.1998

Der junge Polizist - 110 Kilo, flottes Blouson, Aufschrift "Born to Ride" - wippt vor Gericht mit den Füßen. "Schikanös", murmelt selbst der Staatsanwalt. Ein bulgarischer Radbote fährt bei Rot über die Kreuzung und zahlt dafür 500 Schilling Strafe (Falter 40/98). "Plötzlich hat er laut ,Hilfe, Polizei mich schlagen!' gerufen", erinnert sich der Polizist, "deswegen habe ich ihn auf die Wachstube mitgenommen." "Warum eigentlich?" fragt der Staatsanwalt: "Weil er mich provoziert hat." Kopfschütteln. Am Kommissariat wird zwei Stunden das gültige Visum des Bulgaren überprüft. Währenddessen inspiziert der Polizist das Fahrrad und notiert fehlende Katzenaugen und Glocke. Der Bote kehrt zum Rad zurück. Der Reifen ist aufgestochen. Zurück zum Kommissariat: Der Radbote will Anzeige gegen Unbekannt erstatten. Der Polizist verweigert. Eskalation. Der Radbote wird verhaftet, in den Keller gesperrt und nackt ausgezogen. "Das trägt aber nicht zur Beruhigung der Situation bei", sagt der Richter. Der nackte Bulgare weigert sich, Flinserl und Brille abzugeben. "Dann hamma Fangerl g'spüht in der Zelle", sagt der Polizist. Der Uniformierte rutscht aus und will vom Bulgaren, der am Boden lag, ins Gesicht getreten worden sein. Anzeige wegen tätlichen Angriffs gegen einen Beamten und schwerer Körperverletzung. "Diese Amtshandlung ist mir völlig unverständlich", sagt der Richter und spricht den Radboten frei. Wer hat eigentlich den Reifen aufgestochen? Polizist: "Waß i net". "Haben S' ein Messer?" fragt der Richter. "Ja, einen Leatherman."

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536 60-12, E-Mail: klenk@vienna.at


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