Presseschau

Medien | Andreas Dusl | aus FALTER 50/98 vom 09.12.1998

Du sollst keine Vereinszeitung lesen, lautet das elfte Gebot. Es wird, von Vereinsmeiern einmal abgesehen, gerne eingehalten, denn: Vereinszeitungen sind meist fade. Und der Grad ihrer Fadesse steigt mit der dritten Potenz ihrer Gutmenschlichkeit. Wobei die politische Orientierung solcher Publikationen keinen nennenswerten Einfluß auf den Grad ihrer Unlesbarkeit ausübt. Linkslinke Soliblätter sind ebenso starke Schlafmittel wie rechtskatholische Spendegazetten. Denn meist beschäftigt sich der Trägerverein mit so spannenden Themen wie Selbsthilfe, Eingottglaube, Zweitbesitz, Dritte Welt oder vier Pfoten, und stets liegt dem Jammerblatt auch noch ein Zahlschein bei, der bei Nichtverwendung Betroffenheit bis in den eigenen Sarg garantiert. Gutmenschenvereinszeitungen sind das Letzte. Sie werden nur noch von Gutmenschen-Kunst-&-Kultur-Vereinszeitungen übertroffen. Diese Parameter treffen auf das Organ des WUK zu wie auf kaum eine andere Publikation. Und dennoch gelingt Chefredakteur Reinhard Puntigam mit einer kleinen Redaktion das Unmögliche: Sein Triebwerk ist eine spannende Zeitung.


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