Die Schule der alten Männer

Musik Alte Männer dominieren in Kuba nicht nur die Politik, sondern auch die Musik: Zwei von ihnen, Rubén González, 79, und der 71jährige Sänger Ibrahim Ferrer, gastieren diese Woche in Wien.

Kultur | Karl Fluch | aus FALTER 50/98 vom 09.12.1998

Niko Saquito ist einer von vielen Methusalems, die die kubanische Volksmusik in ihrer ursprünglichen und authentischen Version nicht nur am Leben erhalten, sondern den Geist dieser Musik an nachfolgende Generationen weitergeben. Weit über 80, die Zigarre im Mundwinkel, ein von der Sonne gegerbtes Gesicht, singt er zu seiner siebensaitigen Gitarre die grimmigsten und schönsten Sons.

Der Son gilt neben den Guarachas und den Boleros als populärste und älteste Liedform Kubas und hat sich Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt; er setzt sich aus den Melodien, Harmonien und dem Versmaß der spanischen Kolonialisten sowie den Rhythmen der aus Afrika verschleppten schwarzen Sklavenarbeiter zusammen. Während stolzes Schönsingen den Großteil kubanischer Musik bestimmt, ist Saquito jedoch so etwas wie der Tom Waits der Zuckerrohrinsel. Er greint und brummt sich durch seine Sons, fängt sich zwar stellenweise, wie um zu beweisen, daß er auch "richtig" singen kann, überläßt das aber meist den


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