Aufgeblättert

Kultur | Oliver Hochadel | aus FALTER 50/98 vom 09.12.1998

Die Geschichte ist unendlich. Jedenfalls die der Reinterpretationen der Renaissance durch Peter Burke. Seit 25 Jahren veröffentlicht der englische Kulturhistoriker Bücher mit ähnlich lautenden Titeln. Wobei sich das einzigartige Monumentalereignis der Menschheitsgeschichte dabei zunehmend auflöst. In Die europäische Renaissance fordert Burke nun gar, "die Grenzlinien zwischen den Perioden, wie sie die Historiker ziehen, zu verwischen, indem man die Dinge von mehr als einem Standpunkt aus betrachtet". Er begreift die Renaissance als eine gesamteuropäische Kulturbewegung und entgrenzt sie zeitlich und räumlich. Läßt das Lehrbuch die Renaissance im allgemeinen um 1530 enden (Reformation!), sieht Burke ihre regionalen Spielarten erst 100 Jahre später im Barock und der wissenschaftlichen Revolution auslaufen. Und während die Renaissance gemeinhin als italienisches Ereignis mit einiger Strahlkraft auf Westeuropa gilt, so betont der Mann aus Cambridge auch deren Niederschlag in Ungarn


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