Stadtrand: Pelzhaube 2000

Stadtleben | aus FALTER 50/98 vom 09.12.1998

Kalt ist's. Mit sinkenden Temperaturen steigt die Zahl der pelzigen Stadtbewohner: U-Bahn-Züge werden zu Nagetierställen, Straßenzüge zu Nerzpfaden und Einkaufszentren zu Fuchsbauten. Der Rattenbehang feiner Damen (und Herren) nimmt wieder Ausmaße an, von denen Tierschützer nur alpträumen können. Nachdem es in den letzten Jahren eher die unverbesserlichen Hofratswitwen waren, die ihren alten Pelzmantel aus dem Jahr 1958 zur Schau auftrugen, nerzt sich jetzt auch die "etwas jüngere" Generation ein. Von wegen eher nackt gehen. Wenigstens oben ohne gehen die Besitzerinnen jener neuartigen "Pelzhauben", die wie ein Heiligenschein getragen werden. Die Bezeichnung Haube ist dabei irreführend, schließlich ist oben nichts.

Wofür ist dieser Kadaverkranz eigentlich gut? Sich die Beute ums Haupt zu winden, mag ja ein geiles Gefühl sein, nach Wärmespender sieht das haarige Stirnband jedenfalls nicht aus. Zumindest der Teil des Gehirns, der für politische Korrektheit zuständig ist, bleibt mit der Pelzhaube 2000 unterkühlt. Stolzen Echtpelzträgerinnen kann man übrigens den Spaß echt verderben, indem man sie wortlos mit mitleidigem Blick ("Oh, das arme Wiesel!") ansieht. Versuchen Sie's mal, und machen Sie sich auf ein Gezeter gefaßt. C. W.


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