Zeche wird keine bezahlt

Flüchtlinge "Ich gebe dem armen Burschen nur ein Dach über dem Kopf", sagt der Wiener Hausbesitzer, Wirt und Fußballmanager Wilhelm G. Das Leben eines illegalen Ausländers in Wien. Zwischen Besenkammern, Baustellen und Schubhaftzellen.

Politik | Bernhard Maier | aus FALTER 51/98 vom 16.12.1998

Jon ist fiebrig. Doch die lange Fahrt im eisigen Fahrtwind an der Außenwand eines Güterzuges hat sich gelohnt. Jon ist wieder in Wien. Seit zwei Tagen. Der 25jährige Mann ist zum zweiten Mal illegal hier. Er wohnt als U-Boot bei seinem Cousin, der eine Aufenthaltsgenehmigung besitzt. Bei seinem ersten Besuch in Österreich bewohnte er mit zwei anderen Illegalen eine Wohnung in der Goldschlagstraße im 15. Bezirk: sechs Quadratmeter, drei Betten übereinander, eine Dusche. Der Zins für die Wohnung in der Größe einer Abstellkammer betrug monatlich 7500 Schilling.

Der Hauseigentümer und Vermieter, Wilhelm G., kam ihm entgegen. Jon, der tagsüber von 7 bis 16.30 Uhr schwarz auf einer Baustelle werkte, durfte den Zins nach Dienstschluß in G.s Haus abarbeiten. Wochentags bis etwa 22 Uhr, an Samstagen bis ungefähr 15 Uhr führte der Rumäne zusammen mit seinen Zimmergenossen im Haus Renovierungs- und Umbauarbeiten durch. Sonntags war beinahe frei. Am Tag des Herrn standen keine Bauarbeiten,


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