Imperiales Theater

Europa Der Wiener EU-Gipfel wurde kaiserlich inszeniert. Doch die "neue Mitte" enttäuschte bei ihrem ersten großen Auftritt mit Worthülsen.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 51/98 vom 16.12.1998

Plötzlich war es still. Kein Autolärm, kein Straßenbahnquietschen störte die winterliche Ruhe am Ring. Vor dem Parlament stolzierten Krähen. Auf den Dächern der Palais brachten maskierte Scharfschützen ihre Präzisionsgewehre in Anschlag. Ein futuristischer Überwachungswagen fuhr am Heldenplatz seine Antennen aus. Im Zehnminutentakt rollten die beflaggten Limousinen der Staatschefs im Schritttempo und streng nach protokollarischer Reihenfolge über den gesperrten Ring Richtung Josefsplatz vor.

Den europäischen Delegationen bot sich auf den letzten Kilometern vor der Hofburg ein gespenstischer Anblick: Vor ihnen lag eine menschenleere Innenstadt. Die Bevölkerung war aus Sicherheitsgründen aus dem Sperrbezirk rund um den ehemaligen Kaiserpalast verbannt worden. Die Rollbalken der Geschäfte wurden heruntergelassen, die Gehsteige waren von frierenden Polizisten gesäumt. Niemand sollte das erste Wiener Herrschertreffen seit Metternich stören.

Die Tausenden Delegierten, Journalisten


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