Barock bis bissig

Historiker Österreichs Zeitgeschichtler haben bei der Diskussion um Österreichs Umgang mit NS-Vergangenheit mediale Hochkonjunktur. Dennoch steckt die Zunft in einer Krise.

Politik | Gerald John | aus FALTER 51/98 vom 16.12.1998

Richtige Professoren tragen graue Bärte. Sie sprechen in langen, komplizierten Sätzen. Und sie sind schlecht organisiert. Richtige Professoren sind wie Gerhard Botz. Der Ordinarius am Wiener Institut für Zeitgeschichte sitzt in seinem nachlässig eingerichteten Büro und ringt mit der Technik. Botz will drucken, doch der Computer sträubt sich. "Dieses neue System", stöhnt er. Der Professor war krankheitsbedingt einige Zeit außer Gefecht und hat sich im neuen Uni-Campus-Gebäude noch nicht richtig eingelebt. Doch jetzt ist zumindest er wieder voll da. "Ich bin gesund und bissig", grinst er.

Lust zum Hinschnappen verspürt Botz des öfteren, wenn er österreichische Zeitungen und Magazine durchblättert. Die sind seit Monaten voll mit Artikeln zu Österreichs NS-Vergangenheit. Und mit Kommentaren Dutzender Zeitgeschichtler. Plötzlich sind Botz & Co. gefragt: Die Regierung besetzt eine Historikerkommission, Unternehmen lassen ihre eigene Vergangenheit aufarbeiten. Die mediale Goldgräberstimmung


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige