Barock bis bissig/Historiker-Kommission: Das Chaos-Prinzip

Politik | aus FALTER 51/98 vom 16.12.1998

Roman Sandgruber ist dabei. "Ich freue mich, teilnehmen zu können", teilte der Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Linz seinen Kollegen in der Kommission mit: "Ich werde hier sehr viel erfahren."

Sprechen so Experten, die im Auftrag des Staates Österreichs NS-Vergangenheit aufarbeiten sollen? Oder ist der Mann eine Fehlbesetzung?

Schwer zu sagen. Denn was jene sechsköpfige Kommission mit dem vagen Auftrag der Regierung, den Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen aufzuarbeiten, genau leisten soll, darüber waren sich bis zuletzt sogar die Mitglieder nicht im klaren. So erklärte der israelische Kommissionsteilnehmer Avraham Barkai in der ersten Sitzung, ausschließlich zum Thema Arisierungen arbeiten zu wollen. Seine Kollegen waren verblüfft: Man könne doch nicht hinter den Auftrag der Regierung zurückgehen und Themen wie Zwangsarbeit ausklammern. Der schlecht gebriefte Barkai stieg daraufhin aus und wird durch


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