Kommentar: Die Sendung mit dem Haus

Kultur | Markus Wailand | aus FALTER 51/98 vom 16.12.1998

In der Diskussion um Geschichtsbewußtsein und Vergangenheitsbewältigung stehen einander in Wien zur Zeit zwei architektonische Memoria-Metaphern exemplarisch gegenüber, die die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann einmal ausdifferenziert hat: der Tempel und das Archiv. Zwischen diesen beiden Polen lassen sich die meisten Diskussionen um Geschichte und Gedächtnis, Vergangenheit und deren Verwertung für aktuelle Identitätsbildungen ansiedeln - so auch der Versuch, den Holocaust zu erinnern.

Auf der einen Seite steht also das Whiteread-Mahnmal auf dem Judenplatz, das den Greueln der Judenvernichtung ein Denkmal setzen möchte; auf der anderen Seite das "Haus der Geschichte", das die stete Diskussion und "Aufarbeitung" der eigenen Geschichte befördern soll. Während das Mahnmal dabei dem Prinzip des Tempels, einem auf Dauerhaftigkeit und mit "objektivem" Wahrheitsanspruch ausgerichteten Mal, entspricht, steht das Haus der Geschichte für das Archiv, dessen versammeltes Wissen als Basis


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige