Weg mit dem Stilgerümpel

Kunst Die Ernst-Ludwig-Kirchner-Ausstellung im Kunstforum der Bank Austria zeigt einen exemplarischen Geniekünstler und räumt dem vielfach vernachlässigten Spätwerk entsprechenden Raum ein.

Kultur | Inge Podbrecky | aus FALTER 51/98 vom 16.12.1998

Ein junger Mann Mitte Zwanzig schlendert am Anfang unseres Jahrhunderts durch die Sammlungen des Dresdener Zwingers und gerät unversehens in die ethnographische Abteilung. Er ist hingerissen: Mit den Reliefs aus Ozeanien öffnet sich ihm eine neue Welt außerhalb des enggesteckten Rahmens von Kunst und Geschichte. Die flachen, kantigen, expressiven Formen werden ab nun einen weiteren künstlerischen Stützpunkt für seine Arbeit markieren.

Der junge Ernst Ludwig Kirchner liegt damit im Trend. Etwa gleichzeitig schleppt André Derain schwarzafrikanische Masken in Picassos Atelier im Bateau Lavoir auf dem Montmartre, Matisse und Vlaminck lassen sich vom Reiz des Exotischen inspirieren, die Sezessionen Europas begeistern sich weiterhin für Japan, und Gauguin ist sogar ins ferne Tahiti aufgebrochen, um das zu finden, was dahinter liegt - hinter den metaphorischen und idealistischen Barrieren, die Symbolismus und Jugendstil zwischen dem Maler und der Welt errichtet hatten. Weg mit dem Stilgerümpel!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige