Unter oder aufs Regal?

Literatur Wie es die New York Giants den Brooklyn Dodgers einmal tüchtig gezeigt haben oder: Mutmaßungen darüber, warum sich die deutsche Literaturkritik neuerdings für Baseball interessiert und Don DeLillos Roman "Unterwelt" zum "Jahrhundertwerk" erklärt hat.

Kultur | Josef Haslinger | aus FALTER 51/98 vom 16.12.1998

Es gibt Jahre, in denen alle bedeutenden Bücher gleichzeitig fertig werden, und es gibt Jahre, in denen der Betrieb vor sich hin plätschert und Bücher überhaupt nur deshalb beachtet werden, weil man die Literaturbeilagen und Rezensenten nicht außer Dienst stellen will - aus Angst, sie könnten sich für immer verabschieden. In den USA ist 1998 so ein Flautenjahr gewesen. Tom Wolfes Roman "A Man in Full" wartet einsam auf den Pulitzerpreis. Der Rest ist Betriebsgeräusch. Übersetzungen aus anderen Sprachen haben sich so gut wie aufgehört.

Im deutschsprachigen Raum ist das dank des emsigen Übersetzergewerbes anders. Hier wurde 1998 die US-Ernte von 1997 eingebracht, und die war reichlich. Gleich vier Große warteten damals auf den Pulitzerpreis: Philip Roth, Thomas Pynchon, John Updike und Don DeLillo. Ihre Bücher hatten nicht nur den Lesern, sie hatten auch einander etwas zu erzählen. Und sie tun dies, ein Jahr später, ebenso in deutscher Sprache.

Den Preis bekam Philip Roth für


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