Das Horn macht die Musik

Musiktheater Nicht eine Inszenierung, sondern gleich seine ganze letzte Spielzeit hat Volksoperndirektor Klaus Bachler zum Festakt erklärt. Da durfte die deutsche Festoper par excellence, Richard Wagners "Meistersinger von Nürnberg", nicht fehlen.

Kultur | Jürg Stenzl | aus FALTER 51/98 vom 16.12.1998

Mit Wagners "Meistersingern" werden seit mehr als einem Jahrhundert deutsche Opernhäuser eingeweiht; in der Volksoper hingegen sind sie ein Teil der Feiern zum 100jährigen Bestehen des Hauses und zum Abschied des Direktors. Zuletzt wurden die "Meistersinger" in diesem Haus übrigens im Oktober 1939 gefeiert.

Unbelastet kann seitdem niemand an Wagner herangehen, schon gar nicht an die "Meistersinger": Die deutschnationalen und schließlich nationalsozialistischen Vereinnahmungen dieser Oper haben im Werk selbst ihre Wurzeln. Der letzte Akt gipfelt im Hymnus auf die große deutsche Kunst angesichts "welscher" Bedrohung, für den Hans Sachs vom Volk lautstark gefeiert wird. In der Inszenierung von Christine Mielitz sah es zunächst so aus, als ob diese Last der Rezeptionsgeschichte einfach ignoriert würde. Frau Mielitz inszenierte zweieinhalb Akte lang ein Lustspiel: genau in der Charakterzeichnung, nahe am Text, gesungenes realistisches Theater in der Felsenstein-Herz-Tradition der (Ost-)Berliner


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige