Comandantina Dusilova: Gipfelgespräche

Stadtleben | aus FALTER 51/98 vom 16.12.1998

Wien war also Haupt- stadt von Europa. Eine Menge Grünröcke fror sich dabei mächtig den Arsch ab an den Schutzgattern, die a) Terroristen, b) Autogrammjäger, c) beitrittswillige Reformlandpräsidenten und d) mich am unerlaubten Zutritt zur Hofburg hindern sollten. Terroristen dürften den Weg ins naßkalte Wien überhaupt gescheut haben, Autogrammjäger waren durch Lieferengpässe für frostsichere Tinte stark behindert, und beitrittswilligen Staatsoberhäuptern hatte man gnädigerweise einen mittelgut beheizten Raum in der Stallburg zugewiesen. Blieb ich, die kein Passierscheinchen bei sich trug, als sie am Michaelerplatz Durchlaß zur Oper begehrte. "Da müssen Sie in die Kärntner Straße", dampfte es weiß aus dem Bart des Polizisten. "Wieso in die Kärntner Straße?" fragte ich bescheiden. "Na, weil da dürfen S' net eine, da ist jetzt der Gipfel", so Grünrock männlicheins bestimmt. "Ich will aber nicht in die Kärntner Straße!" "Nein, nein, nein", mischte sich Grünrock männlichzwei ein, "hier dürfen Sie nicht eine, sengan Sie des net?" "Hier ist abgesperrt", versuchte es Grünrock weiblicheins auf deutsch. "Sie gehen in die Kärntner, aber flott, ja!" Dort traf ich 26 langgesuchte Terroristen, zwei Autogrammjäger und den Präsidenten von Albanien.


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