Standpunkt: Notwendiges Übel

Politik | aus FALTER 52/98 vom 23.12.1998

Italien hält es für "nicht legitim". Frankreich hüllt sich in Schweigen. Die schwedische Regierung übt heftige Kritik, der Vatikan wettert, UN-Generalsekretär Kofi Annan schüttelt traurig den Kopf. Ihm aber, dem Außenminister des kleinen, neutralen Landes im Herzen Europas, leuchtet ein: Der Geduldsfaden mußte reißen. Als EU-Ratsvorsitzender brauchte sein Urteil. Wolfgang Schüssel qualifiziert die amerikanisch-britischen Luftangriffe gegen den Irak als "bedauerliche Notwendigkeit". - Kanzler Klima lobte die notwendige Wortspende. Während sich andere Staaten um die Zivilbevölkerung sorgen, können Ballistik-Experten Klima und Schüssel versichern, daß ausschließlich die Militärmaschinerie des bösen Saddam im Visier der US-Marschflugkörper stünde. "Alles andere ist Sache des irakischen Volkes." Wie wahr: Eine der Bomben hat sich prompt in ein Armutsviertel von Bagdad verirrt. Für die Union, versichert Schüssel, sei es wichtig, daß es "zu politischen Lösungen komme". Gemäß dem Motto: Bringt die Streitparteien an den Verhandlungstisch, wenn's sein muß mit Bomben und Granaten. Leider ist der österreichische Weitblick nicht mehr lange gefragt. Ab Neujahr bemühen sich Schröder und Fischer um einen solchen. Viel anderes ist nicht zu erwarten, auch die Deutschen glauben, Frieden kann man herbeibomben. N.W.


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