Wiesenthal-Konferenz

"Über die Quellen des Hasses"

Politik | aus FALTER 52/98 vom 23.12.1998

So viel internationale intellektuelle Prominenz war in Wien selten zu Gast. Und selten sah man so viele Politiker bei einer intellektuellen Veranstaltung: Auf der vom Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) organisierten Konferenz "Über die Quellen des Hasses" gaben sich unter anderm zwei Bundespräsidenten (Thomas Klestil und sein deutscher Amtskollege Roman Herzog), Bundeskanzler und Vizekanzler, die polnische Außenministerin, der Nationalratspräsident und etliche andere ein - wenn auch meist nur kurzes - Stelldichein.

Das Zustandekommen dieser außergewöhnlichen Veranstaltung, die Ende vergangener Woche in der Hofburg stattfand, ging auf Simon Wiesenthal zurück. Der "Nazi-Jäger", der rund 1000 NS-Täter enttarnte und weltweit Auszeichnungen für seine Arbeit erhielt, hatte sich vor einiger Zeit bei einer Rede vor den Vereinten Nationen in New York für eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit Phänomenen des Hasses eingesetzt.

Diese Idee wurde aufgegriffen - und so kam es wenige Tage vor Wiesenthals 90. Geburtstag (am 31. Dezember 1998) zu diesem Symposion, an dem international renommierte Gelehrte - freilich vor allem ältere Männer - über jenes Phänomen debattierte, das - im Gegensatz zu Gewalt und Krieg - erst relativ wenig wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten hat. Unter den etwas vagen Titeln "Ambivalenz der Religion und des Humanismus" bzw. "Ambivalenz der Wissenschaft" wurde zwei Tage lang darüber beraten, unter welchen Umständen Religionen, der Säkularisierungsprozeß, aber auch die Wissenschaften zu Quellen des Hasses werden. Und welche Beiträge sie - insbesondere die Wissenschaften - zu deren Überwindung leisten können.


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