Zen, Zorn und Zynismus

Musik In seiner neuen Autobiografie "What's Welsh for Zen" gönnt John Cale weder sich noch seinen Zeitgenossen Schonung.

Kultur | Robert Rotifer | aus FALTER 52/98 vom 23.12.1998

John Cale ist kein Autobiograf der versöhnlichen Sorte. "Dieser Typ ist leer", schreibt er etwa über Lou Reed, seinen Freund, Rivalen und Bandkollegen bei The Velvet Underground. "Er weiß nicht, wo er Grenzen ziehen muß. Er treibt völlig ziellos herum." Kaum jemand kommt in diesem Buch sonderlich gut weg, schon gar nicht Cale selbst: "Während ich dieses Buch schreibe, werde ich trauriger und trauriger darüber, wie wenig ich mich selbst kenne. Ich bin erschüttert über meinen Mangel an jeglichem Selbstwertgefühl."

Hinter der undurchdringlichen Coolness des schwarzgekleideten Avantgardisten John Cale steckt - wie könnte es anders sein? - eine vernarbte Seele. Cale erzählt von seiner Kindheit in der walisischen Einöde. So viel Respekt er für die Mutter, eine kunstsinnige Lehrerin, aufbringt, so wenig gönnt er dem von seiner Arbeit im Kohlenbergwerk zum Stumpfsinn verurteilten Vater. Scheinbar beiläufig erwähnt er, wie jener ihm regelmäßig im Auftrag der Mutter Züchtigungen


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