Mal prall, mal biegsam

Lesen und schenken Last minute-Geschenke oder einfach Lektüre für die Weihnachtsfeiertage: Der "Falter" empfiehlt Bücher über trinkende Iren und wahnsinnige Enzyklopädisten oder Mädchen der unterschiedlichsten Gestalt.

Kultur | aus FALTER 52/98 vom 23.12.1998

Reisen bildet bekanntlich, und wenn es gar in ferne Länder führt, dann schwingt auch gleich die Sehnsucht mit nach exotischer Folkore, Abenteuer und dem ganz anderen Leben. Um diesbezüglich keinerlei Mißverständnisse aufkommen zu lassen, verweist Henri Michaux (1899-1984), Maler und Schriftsteller mit Nähe zur Surrealistenszene, bereits im Vorwort seiner Aufzeichnungen lapidar darauf, daß er "sich weder auf das Reisen noch auf das Tagebuchschreiben" verstehe. So bieten seine nun in einem Band vorgelegten Reiseberichte "Equador" (1929) sowie "Ein Barbar in Asien" (1933) auch keine herkömmliche Dokumentation des Unterwegsseins: Vielmehr werden darin das Reisen und das Schreiben als parallele Suchbewegung begriffen. Die Fremdheit in sich verstärken, um mehr über sich zu erfahren: Dieses Vorhaben gelingt Henri Michaux mit Hilfe einer schier rücksichtslose Objektivität und Strenge. Ungestüm, zornig, oft auch überrascht tastet sein Blick umher und konstatiert mit Ekel die Auswirkungen

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