Stachelbarsch im Arsch?

Philosophie Hans Stiletts hochgelobte Neuübersetzung von Montaignes "Essais" ist lakonisch, wenn es um den Verzicht auf Erläuterungen geht. Ansonsten nimmt sich der unter Reimzwang stehende Übersetzer auch seine Freiheiten.

Kultur | Leopold Federmair | aus FALTER 52/98 vom 23.12.1998

Neunzehnhundertzweiundneunzig veröffentlichte ein Schweizer Verlag Michel de Montaignes "Essais" in drei Bänden. Ordentlich gebunden, hübsch anzusehen, aber zwischen den Buchdeckeln fand man bloß den Nachdruck einer Übersetzung aus dem 18. Jahrhunderts. Ich erlaubte mir damals die Bemerkung, durch diese "verlegerischen Großtat" werde die dringend notwendige Neuübersetzung der "Essais" auf Jahrzehnte hinaus blockiert. Zum Glück habe ich mich getäuscht. Der Eichborn Verlag brachte kürzlich im Rahmen der Anderen Bibliothek eine gut lesbare Übersetzung von Hans Stilett in einem großformatigen, kompakten, dunkelblau leuchtenden Band heraus.

Stilett erläutert im Nachwort die Prinzipien seiner Arbeitsweise. Er hat, zum ersten Mal im deutschen Sprachraum, eine große Zahl von Montaigne-Übersetzungen miteinander verglichen und aus dem Vergleich, natürlich immer mit Blick auf das Original, die Früchte für seine eigene Arbeit gezogen. Dieses Verfahren ist vollkommen legitim, denn wirklich


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