Nüchtern betrachtet: Weihnacht hat mich weich gemacht

Kultur | aus FALTER 52/98 vom 23.12.1998

Im Backrohr meines Herzens geht ein Germteig auf, der den Duft von Menschfreundlichkeit und Nächstenliebe verströmt, und deswegen sollen an erster Stelle zwei Dutzend morgenländische Despoten, nicht aber ein gewisser Chefredakteur ungenannt bleiben, der mich schließlich in einem Anfall von Weihnachtsamnestie vom Schicksal eines Fliegenden Holländers des Editorials erlöst hat. Was für eine Sklavenseele ich doch bin: Man braucht nur aufhören, mich zu quälen, schon bin ich dankbar. Weihnachten hat mich weich gemacht. Kein Wunder, beschallt mich meine Tochter doch schon seit Allerseelen mit singender und klingender Jesus-Propaganda, die umso effektiver ist, als orthodoxes Englisch ("wonders of his love") in eine nur vordergründig sinnlose Sprache ("anders slapie slaab") transformiert wird, die sich durch die hohe Tür, das weite Tor des Unterbewußten umso sicherer einschleicht.

Neuerdings vermag ich selbst noch in der Weihnachtsdekoration der Einkaufspaläste eine Manifestation der


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