"Wir sind leider zu klein"

Porträt In Österreich verlacht, in Vietnam ein Star. Fußball-Teamchef Alfred Riedl coacht wehleidige Spieler, ärgert sich über undisziplinierte Einheimische und sehnt sich nach dem anderen Ende der Welt.

Stadtleben | Gerald John/Hanoi | aus FALTER 52/98 vom 23.12.1998

Der Bus ist voll bis unters Dach. Wie in eine Sardinendose sind die Kleinen in das klapprige Gefährt geschlichtet, mit weißen Blusen und roten Schleifen aufgemascherlt. Und sie toben. "Hello" und "Goodbye" kreischen die Kinder und winken aufgeregt aus den Fenstern. Im Café gegenüber sitzt Alfred Riedl und macht eine lässige Handbewegung in Richtung Schulbus. "Selbst die Gschrappn kennen mich", grinst er.

Der Jubel ist echt. Riedl ist nicht Mitglied des vietnamesischen Politbüros, sondern Teamchef von Beruf. Früher in Österreich, jetzt in Vietnam. In der Heimat wurde er belächelt, wenn nicht verlacht. Hier ist er ein Star. Riedl schüttelt Generalsekretären und Ministern reihenweise die Hände. Selbst die üblicherweise mit einer ordentlichen Portion Präpotenz ausgestatteten "Kappler", erzählt er, "knicken und buckeln", wenn sie ihn erkennen. "Very important person" nennen die Menschen auf den Straßen von Hanoi den Österreicher.

Den Kickern aus dem kommunistischen Staat hat der


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