Vor 20 Jahren im Falter

... stellte Vincent Nina Hagens Debütalbum vor.

Vorwort | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Wer von euch kennt Nina Hagen? Oder besser: Wer kennt sie nicht? Da wird doch seit einigen Wochen ein freches Rotznasengesicht, eigentlich ziemlich sympathisch und gar nicht der im Showbusineß übliche Frauentyp, der Männerherzen höher schlagen läßt, als die neue große Hoffnung am Rockhimmel angepriesen. Was ist eigentlich der Grund dafür, daß eine so große Plattenfirma für eine Newcomerin derart tief in die Tasche greift, daß nicht nur in einschlägigen Branchenzeitschriften ganzseitige Anzeigen erscheinen, sondern auch in der Boulevardpresse? Die Musik vielleicht? Die gefällt mir eigentlich ziemlich gut, auch wenn genügend Fremdeinflüsse bemerkbar sind.

Oder sind es die Texte? Da gibt es einiges, das ich wirklich gut finde. Der Song über die Droge TV (ist aber im Original von den Tubes - "White Punks on Dope") zum Beispiel oder die "Naturträne" oder auch "Fisch im Wasser".

Oder aber ist es Nina Hagens Stimme? Die so außergewöhnlich ist, daß ein derartiger Aufwand gerechtfertigt ist? Ja, ja, die Stimme. Manchmal klingt sie opernhaft (oder zumindest fast), dann wieder so richtig punkig. Aber so überragend und einmalig finde ich sie wieder auch nicht.

Trotzdem, wenn ich mir die LP als Ganzes betrachte, gute Musik gekoppelt mit guten Texten, so ergibt sich schon ein ziemlich positives Bild. Nina Hagen hat hier ein bemerkenswertes Debütalbum (zumindest für die BRD) geliefert, das noch viel für die Zukunft erwarten läßt: Falls der Druck von Seiten der Plattenfirma, und der ist bei solchen Investitionen zweifelsohne vorhanden, ihrer Kreativität keinen Abbruch tut. Beispiele hierfür gibt es genug. Man denke nur an so manche Zukunft des Rock 'n' Roll, die inzwischen schon wieder Vergangenheit ist.


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