Der Schuß auf die Uhr

Kommentar: Europa nach der Einführung des Euro: Ein Kontinent auf der Suche nach einer adäquaten Darstellung seiner selbst.

Vorwort | Isolde Charim | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Die Einführung der neuen europäischen Einheitswährung mit 1.1.1999 war eine große mediale Inszenierung. Als solche war sie ein Flop. Trotz der historischen Dimension des Ereignisses wurde die Einführung des Euros nicht als "Stunde Null", nicht als Schuß auf die Uhr erfahren, mit dem die Französische Revolution den Beginn einer neuen Zeitrechnung markierte. Die Vielzahl der Berichte und Bilder zeitigten einen erstaunlichen Effekt: Statt eine neue Realität zu schaffen, lösten sie nur das Gefühl aus, daß das, was dort (in den Medien) inszeniert wird, hier (in der Realität) nicht stattfindet. Das Paradoxe an dieser Unterscheidung liegt in der Verkehrung, die der Euro damit in der Perspektive des Betrachters erfahren hat: die nunmehr tatsächlich gültige Währung erscheint als Spielgeld eines "Monopoly" für Börsianer, das völlig getrennt von der Realität des echten Schillings existiert.

Daß zwischen der Realität und der Art und Weise, in der diese erlebt wird, eine Divergenz


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