Standpunkt: Östertürken

Politik | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Tausende Menschen leben in Österreich mit zwei Staatsbürgerschaften. Kinder, bei denen ein Elternteil Österreicher ist, erwerben mit der Geburt automatisch ihren österreichischen Paß und die Staatsbürgerschaft des ausländischen Elternteils. Egal, ob sie, wie die Konservativen fordern, zu Österreich loyal eingestellt sind oder nicht. Die deutsche Rot-Grün-Regierung will die doppelte Staatsbürgerschaft nun auf Kinder der zweiten Gastarbeitergeneration ausdehnen. Dies erleichtere die Integration. In einem geeinten Europa dürften nationalstaatliche Identifikationsnachweise keine Rolle mehr spielen. Natürlich wollen Schröder& Co auch neue Wählerschichten gewinnen. Österreichs Rote wagen nicht einmal, darüber zu diskutieren. Doppelpaß-Spiel ist im Wahlkampf unpopulär. Man fürchtet Fouls des Boulevards. Nachdenken wäre dennoch angebracht: Jugendliche der zweiten Generation können nach dem neuen Fremdengesetz sowieso nicht mehr abgeschoben werden. Wen stört es, wenn sie zusätzlich zu ihrem türkischen Paß auch den österreichischen besitzen? Durch die Verweigerung der doppelten Staatsbürgerschaft werden ihnen aber wesentliche politische Rechte entzogen. Letztendlich würde der Doppelpaß der SPÖ auch mediale Erfolgsmeldungen garantieren: Der Ausländeranteil würde endlich drastisch gesenkt werden. F. K.


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