"Ich bin ein halber Mensch"

Menschenrecht: In Österreich aufgewachsene Jugendliche mit fremdem Paß wurden bis vor kurzem deportiert, wenn sie straffällig geworden waren. Obwohl Gesetze dies mittlerweile verbieten, wird es weiter versucht.

Politik | Thomas Rottenberg | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Cevat ist 30. Manchmal auch 35. Sagt er. Dann lächelt er verlegen. "Auf jeden Fall bin ich nicht 21. Ich habe zuviel erlebt. Wenn meine Freunde erzählen, was sie für Probleme haben - Führerschein nicht geschafft, Freundin weg, Miete zu hoch - denke ich mir: Eure Sorgen will ich haben." Trotzdem lacht und albert er mit. Obwohl ihm selten nach Lachen zumute ist. "Das ist nicht echt." Denn mit vor Angst zugedrückter Kehle fällt das schwer. Und an das Herzflattern beim Anblick eines jeden Polizisten gewöhnt man sich auch nie. Oder an die Panik, wenn der Mann am Nachbartisch im Lokal zum zweiten Mal herüberschaut und zum Handy greift. Sogar nach drei Jahren als U-Boot in Wien. In jener Stadt, in der man aufgewachsen und zur Schule gegangen ist. Wo man eine Lehre begonnen und jahrelang gearbeitet hat. In der die Eltern und Geschwister, alle Freunde und Kollegen leben. "Die Angst kann dir den Verstand rauben", sagt Cevat - und sieht dann wirklich älter aus, als er ist. Wenn draußen

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