BEDIENT: Stempelmacken

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Für die Bürokratie wird 1999 ein trauriges Jahr. Das kleine braune, vom Untertanen abzuschleckende Seidenpapier soll vernichtet werden. Bogenweise einstampfen will es ein fortschrittlicher Staatssekretär. Wie sinnlich war es, Steuern oral zu begleichen. In die Trafik laufen, Marke kaufen, aus dem kleinen Säckchen nehmen, anfeuchten, draufkleben, abstempeln lassen. Die Systematik des Stempelmarkensteuerzahlens war - im Gegensatz zu den komplizierten Überweisungen durch private Banken - für jedermann durchschaubar. Wer sich weigerte, an Stempelmarken zu schlecken, wurde entweder bestraft, oder sein Antrag wurde gnadenlos zurückgewiesen. Damit ist leider Schluß. Besonders für die Kunden des Arbeitsmarktservice wird das Konsequenzen haben. Denn sie durften nicht nur die Marke kaufen, sie mußten mehr tun: "Zur weiteren Bearbeitung ihres Antrages", schreibt die Sachbearbeiterin des Arbeitsamtes an einen ihrer Kunden, "sind noch folgende Unterlagen (im Original sowie in deutscher Übersetzung) erforderlich: Bundesstempelmarken in Höhe von ATS 60,-. Sollten die Unterlagen nicht in der gewünschten Form eingebracht werden, müßte der Antrag zurückgewiesen werden." Wir wissen nicht, ob der Untertan das Verbrechen beging, eine kopierte oder abgepauste Stempelmarke am Arbeitsamt einzureichen. Wir haben aber Mitleid mit dem amtlichen Dolmetscher: Er muß nun - über die Stempelmarke gebeugt - an einer deutschen Übersetzung feilen. Welche Version letztlich auf den Antrag zu kleben ist, kann man dann wieder am Amt erfragen. Mittels Antrag. Und Stempelmarke in deutscher Übersetzung.


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