Cruising

Film: Aus ganz wenigen Grundelementen hat der iranische Regisseur Abbas Kiarostami mit "Der Geschmack der Kirsche" einen sehr ungewöhnlichen Spannungsfilm gebaut.

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 02/99 vom 13.01.1999

Ein Mann, ein Auto. Staubige Straßen, eine Hügellandschaft. Bauarbeiten und Erdbewegung. Begegnungen. Drei, vier Gespräche. Der Mann ist unterwegs, rastlos, ruhelos, begleitet von Straßenlärm, Gesprächs- und Musikfetzen, die von außen ins Fahrzeug dringen und doch äußerlich bleiben. Nach einer halben Stunde steigt der Fahrer das erste Mal aus seinem Rover und macht konkrete Angaben zu dem "gutbezahlten Job", den er bisher noch nicht angebracht hat. Die Erläuterungen versetzen den einzigen Anwärter gleich derart in Panik, daß er Hals über Kopf davonläuft. "Der Geschmack der Kirsche / Ta'me Gilass" (1996) von Abbas Kiarostami ("Wo ist das Haus meines Freundes", "Durch den Olivenhain") funktioniert wie ein Thriller. Das klingt vielleicht seltsam, denn es handelt sich natürlich nicht um einen Actionfilm. Die Spannung verdankt sich zunächst einer klassischen Dramaturgie der Wissensverteilung: Wir wissen nichts - der Mann im Auto weiß alles, aber er gibt sein Wissen respektive


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